Zwei konservative „kalte Krieger“

(www.conservo.blog)

Von altmod *)

Es ist eigentlich im Grunde ein nicht statthafter Versuch von mir, ungefragt jemanden meiner Position einzuverleiben, denn ich spreche mal von mir und Peter Helmes - einem „Herzensbruder“ und Vorbild in manchen Dingen.

In unseren Positionen, die wir auf conservo oder altmod vertreten, sind wir für manche die unverbesserlichen „kalten Krieger“. Wir haben seit vielen Jahren Kontakt und tauschen uns gern verstandesmäßig auf unseren Blogs aus.

Wir sind beide konservativ - in manchmal durchaus idealistischem Sinne. Auch (kritisch) libertär oder auch liberal ausgerichtet. Patrioten in klassischer Bedeutung. Christlich erzogen, aufgewachsen und geprägt. Und wir sind in eine Welt gesetzt worden, in der endlich dieser verheerende Weltkrieg und diese unmenschliche deutsche Hitler-Diktatur zu Ende waren. Ein Aufbruch stattfand, den sich unsere Eltern und damit wir uns eigentlich nicht erträumen konnten. Ein Aufstieg in Wohlstand und mit bisher nicht existenten oder auch nur verinnerlichten Freiheitsrechten.

Nicht durch die Weltbeglückungs-Ideologie des Marxismus-Leninismus oder Sozialismus russischer Prägung, sondern angestoßen durch die Sieger des Westens. Das scheinen viele vergessen zu haben. Sie wissen es nicht - oder wollen es nicht hören.

Dann der „kalte Krieg“ mit seiner bipolaren Weltordnung.

Hie freiheitliche Bestrebungen, und andererseits Unterdrückung und Versklavung im Interesse der sog. Weltrevolution.

Davon sind wir geprägt worden, wir „kalten Krieger“.

Für uns war es selbstverständlich, nach unseren gefühlstiefen Erkenntnissen über Despotismus, Gewalt, Unterdrückung einerseits, Entfaltung in Freiheit und – wenn auch zunächst bescheidener - Wohlfahrt andererseits, auch mit Waffen zu kämpfen.

Das Sklaven- und Unterdrückungssystem des russischen Bolschewismus konnte Gott sei Dank nur versagen. Und sowas wird wieder versagen, davon sind wir „kalten Krieger“ überzeugt.

Nicht nur wir hofften, jeglicher Krieg, der uns hierzulande bedrohen könnte, sei Vergangenheit. Ende der Geschichte?

Und dann scheint eine neuerliche bipolare Weltordnung auf. Etwas, von dem man glaubte, es sei 1989 endgültig entschwunden.

Die gegenwärtige Konstellation belehrt uns eines anderen.

In China hat sich ein von einer kommunistischen Partei gelenkter Kapitalismus etabliert, welcher den Hegemon des globalen Kapitalismus, die USA, herausfordert. Russland unter Putin möchte die Größe und Einflusssphäre der untergegangenen Sowjetunion regenerieren und glaubt, darin liege sein Heil.

Und auf der anderen Seite immer noch „der Westen“.

Der Westen, der meinte, er müsse den aufkommenden religiös geleiteten Terrorismus in seinen Ursprungsländern mit militärischer Gewalt bekämpfen und könne das ausrotten. Glaubte, Demokratie und Freiheitlichkeit in eigentlich untauglichen Regionen und Staaten etablieren zu können. Und das mit Methoden, die nicht nur völkerrechtlich fragwürdig sind und waren. Das muss gesagt sein.

Ich bin und bleibe trotzdem ein „Kind des Westens“ und spucke nicht auf das, dem ich so vieles zu verdanken habe.

Ja, es nicht alles Gold, was bei uns glänzt. Wir haben viele Probleme mit unseren inständigsten westlichen Prinzipien. Ärgerlichkeiten, die wir aber gewiss nicht mit den asiatischen Methoden lösen können und werden.

Gewiss nicht wieder mit einem „starken Mann“, den sich viele hierzulande erträumen.

In dieser neuen bipolaren Welt habe ich es lieber, der amerikanische Adler kreist über mir, als dass der russische Bär mein Biotop besetzt.

Und ich denke, da sind wir uns einig – wir kalten Krieger.

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*) Blogger „altmod“ (http://altmod.de/) ist Facharzt und seit Beginn Kolumnist bei conservo

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https://at.wikimannia.org/Peter_Helmes

www.conservo.blog       30.05.2022

6 Kommentare

  1. ” Wir kalten Krieger ” ??
    Erfahrungswerte in der Zeit des “Kalten Krieges” nun es gab unterschiedliche Werte die einem das
    denken erleichtert hat - oder auch nicht - die immer auf dem selbem Stand stehen geblieben sind.
    Der Westen ist gut - der Osten ist böse.
    Amerika z.Zt. des Bürgerkrieges:
    - Nordstaatler die wie die Sozialisten die Menschen vor der Sklaverei befreien wollten. Ich sage bewusst
    wollten, denn sie haben kläglich versagt.
    Heute regiert Amerika wieder der Kapitalistengeist der Südstaatler.
    Europa: die Sklaverei wurde erst nach dem I WK aber so richtig erst nach dem II WK beseitigt - und durch
    WEM - na die bösen Sozialisten.
    Unterschied zwischen Kapitalismus ./. Kommunismus wenn man die Grundlage Geld bei Seite schiebt
    Kapitalisten kaufen sich Regierungen - die Kommunisten regeln das Kapital.

    Wie drückte sich der RU-Hasser Reitschuster aus ” ich muss leider zugeben in RU gibt es Heute mehr
    Demokratie, als hier im Westen”.
    Und warum?
    Weil der Westen nach Südstaatler-Manier die ganze Welt versklaven will !!
    Was sagt Schwab ” Ihr werdet NICHTS besitzen, und trotz dem glücklich sein” 4te - 5te 6te Impfung macht
    es möglich.
    Wenn das, das gute Westen ist, ja dann bin ich doch eher für Bodenreform damit ich mir wenigstes
    meine Kartoffeln selbst anbauen und ernten kann.
    Fragt mal in Bulgarien und Rumänien nach - die haben keine Acker mehr um sich selbst zu ernähren.
    Oder auch Kroatien die damit erpresst wurden in die EU einzutreten.

    Bei den “kalten Kriegern” war die Welt noch im Gleichklang.

  2. Die ernsthafte Frage waere, haben wir (sprich der Westen) gewonnen, oder haben die anderen (sprich Sowietunion) nur verloren? Anders ausgedrueckt, hat das russische System nur frueher verloren, als das amerikanische System? Die Soviets wollten ja auch bis wenige Wochen vor dem Zusammenbruch nicht wahrhaben, dass ihr System gescheitert ist. Irgendwann fangen auch die letzten Wochen der amerikanischen Finanzoligarchie an, denn wenn ein System beginnt zusammen zu brechen, dann wird es am Ende auch genau das tun. Wie heisst es in den Finanzprospekten immer so schoen:

    Past performance is no guide to future performance.

  3. Altmod schliesst seinen klaren Artikel ab mit den klaren Wörtern:

    “Und ich denke, da sind wir uns einig – wir kalten Krieger.”

    Na, werter Altmod, wenn es erlaubt sei - und ich glaube ja, denn heutzutage gibt es doch langsam keine Beschwerde mehr gegen weibliche Variante - dann möchte ich mich selbst auch gerne als “Kalte Kriegerin” betrachten, denn Ihre Beschreibung passt mir sozusagen fast hautnah!
    Zwar bin ich nicht länger so sehr religiös - eher humanistisch -, aber das ist denn auch das Einzige.

    Also schliesse ich mich vom Herzen und überzeugt an bei Ihrer Auseinandersetzung.

    1. @ Theresa: Herzlich willkommen, liebe Theresa. Die “kalten Krieger” freuen sich über jede Unterstützung!

  4. All dies habe ich miterlebt. Und auch positiv erfahren.
    Leider waren aber die Fragezeichen dessen, was uns im Geschichtsunterricht eingetrichtert wurde hinsichtlich der letzten 100 Jahre, nicht zu klaeren, ohne selbst ins Eigenstudium zu gehen.
    Die Geschichstschreibung, angefangen vom Kaiserreich ueber Weimar und das Dritte Reich incl dieser Bundesrepublik, strotzt von Unwahrheiten und Luegen.
    Das hat mich alleine nicht bewogen, das Land meiner Vaeter (wuerde Herrn Habeck nicht gefallen) zu verlassen, trotz guten Einkommens und hoher Lebensqualitaet.
    In kalter Analyse konnte ich erkennen, dass auf Sand gebaut war.
    Diese Wirtschaftswunder Gesellschaft konnte mE so nicht bestehen bleiben. Ich habe die Studenten Revolte vor der Sozietaetsdruckerei incl der Polizei Aktivitateten miterlebt. Ich habe mit Mitgliedern der Frankfurter Schule gesprochen.
    Eine Ueberfremdung setzte damals schon ein, war aber noch ungefaehrlich, fuer Einheimische.
    Ganz persoenlich war es die Ueberzeugung, dass mein Lebenstandard mit dieser Altersversorgung nicht
    aufrechtzuhalten war. Und ich habe immer gearbeitet und war nie krank, nicht einen Tag, in meinem Berufsleben. Also purer Eigennutz, koennte man sagen.
    Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben ……………….frei nach Friedrich’s Glocke.
    Also bin ich mit Sack und Pack ausgewandert.
    Ich werde nicht unken, aber das Menetekel ist nicht erst seit gestern an der Wand.
    Als freier Mensch braucht man weder den Adler noch den Baeren. Und sollte es einmal unbequehm werden, dann kann man immer noch nach entweder Pitcairn oder Swalbaard (Spitzbergen) ziehen.
    Als freier Krieger!

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